Plagiat (geistiger Diebstahl)

Woher stammt der Name Plagiat? Es war der römische Dichter Marcus Valerius Martialis (42 bis 104 n. Chr.), der seine Epigramme mit „freigelassenen Sklaven“ verglich und einen Mann namens Fidentinus als „Menschenräuber“ (lat. „plagiarius“) betitelte, weil dieser die „Sklaven“ abgeschrieben und als seine eigenen Werke ausgegeben hatte.

Für den Urheber ist es ein Ärgernis, wenn sich jemand mit seinen Federn schmückt. Die Redewendung „mit fremden Federn schmücken“ stammt übrigens aus der Aesop-Fabel von der Krähe und dem Pfau:

«Die sich durch unnützen Hochmut aufblasende Krähe hob die Federn auf, welche dem Pfau heruntergefallen waren, und schmückte sich damit. Daraufhin verachtete sie Ihresgleichen und gesellte sich zu den schönen Pfauen. Jene entrissen dem frechen Vogel die Federn und vertrieben ihn mit den Schnäbeln. Die böse misshandelte Krähe ging betrübt zu ihren eigenen Artgenossen zurück, von denen sie heftig beschimpft und zurückgewiesen wurde. Da sagte eine von ihnen, die sie früher nicht beachtet hat: „Wenn du mit unserer Anlage zufrieden gewesen wärst, und du ertragen hättest, was dir die Natur gegeben hatte, hättest du weder diese Schmach erfahren, noch hätte dein Unglück die Zurückweisung gespürt.“»

Aesop kommentiert die Fabel: „Ne glọriạri lịbeat ạlienịs bonịs“ — „Niemand rühme sich mit fremden Gütern“. Als Strafe ernte man „nota, contumelia et repulsa“, das heißt, der Dieb ist mit einem Schandfleck gebrandmarkt und muss mit Beschimpfung und Zurückweisung leben.

Bushido konnte Anfang 2010 ein Lied davon rappen, nachdem sein plagiatstrotzendes Album vom Markt genommen wurde. Ansonsten gibt es heute in der Musikindustrie viele diebische Krähen. Für die Beschimpfung sorgt die Presse, zurechtweisen kann heute das Urheberrecht.

Obwohl das Urheberrechtsgesetz den Begriff Plagiat nicht verwendet. Die Allgemeinheit versteht darunter die Übernahme fremden geistigen Eigentums unter Anmaßung der Urheberschaft oder kurz: geistigen Diebstahl. Im streng juristischen Sinne ist ein Plagiat die Übernahme von urheberrechtlich geschützten Werken oder Werkteilen in unveränderter oder umgestalteter Form, wobei der schöpferische Abstand ( Schöpfungshöhe) nicht ausreicht, um von einer freien Benutzung sprechen zu können. Ein Plagiat kann auch ein Zitat sein, bei dem die Quellenangabe unterlassen wurde (die "Dr."-Guttenberg-Methode).

In einem Plagiatsfall ist zu prüfen, ob ein gesetzlicher Tatbestand einer Urheberrechtsverletzung gegeben ist. So könnte die Schutzfähigkeit des Originals angezweifelt werden. Dies geschieht über Feststellung der Schöpfungshöhe (fehlende Individualität) oder über einen Verweis auf ein älteres Werk. Dann könnte das Original aus gemeinfreien Anteilen bestehen. Im zweiten Schritt wäre zu untersuchen, ob das „Plagiat“ selbst einen so hohen Abstand besitzt, dass man von einer freien Benutzung ausgehen kann. Selten gelingt der Nachweis einer Doppelschöpfung. Die Kryptomnesie (verborgene, unbewusste Erinnerung) wird von Gerichten noch weniger anerkannt. Wenn die Entlehnungen unbewusst erfolgen und als eigene Ideen erscheinen, fehlt immerhin der Vorsatz. Doch die Schutzbehauptung, man habe von der Übernahmen nichts gewusst, ist kaum beweisbar.

Ein Urheber kann seine eigenen Werke beliebig in neuen Werken aufgreifen, bearbeiten und verfremden. Allerdings darf solch ein Selbstplagiat nicht gegen Lizenzverträge verstoßen. Eine Firma kann etwa Nutzungsrechte an ihrem Audiologo besitzen. Der Komponist, der die Nutzungsrechte vertraglich übertragen hat, darf einer anderen Firma kein ähnliches Audiologo anbieten, wenn das gegen die Vertragsregelung verstößt.