Bearbeitung

Ursprünglich meint das Wort Bearbeitung die Einrichtung eines vorhandenen Werkes für andere Instrumente. Entscheidend ist dabei nicht die Verwendung eines anderen Klangapparats, sondern dass aus kompositorischen Gründen weitgreifende Änderungen vorgenommen werden.

Den Begriff Bearbeitung gibt es nur in Deutschland und Österreich. In anderen Ländern sprechen Juristen von "Werken zweiter Hand" (Schweiz) oder "abgeleiteten Werken" (derivative works, œuvre dérivée / œuvre composite"). Der Urheber kann nach deutschem Recht allein über sein Werk bestimmen, es genießt einen besonderen Schutz. Im § 23 des Urheberrechtsgesetzes heißt es:

„Bearbeitungen oder andere Umgestaltungen des Werkes dürfen nur mit Einwilligung des Urhebers des bearbeiteten oder umgestalteten Werkes veröffentlicht oder verwertet werden.“

§ 23 Satz 1 Urheberrechtsgesetz

Eine Bearbeitung liegt nur dann vor, wenn das Musikstück durch die neuen Bestandteile eine geistige Schöpfung aufweist. Das heißt, die Umgestaltungen müssen wesentlich sein. Unwesentliche Umgestaltungen von handwerklicher Natur sind urheberrechtlich unbedenklich, zum Beispiel die Änderung der Tonart oder kleine Anpassungen im Rahmen einer Interpretation. Die Bearbeitung ist hingegen ein abhängiges Werk mit allen damit verbundenen Schutzrechten. Ein Bearbeiter ist selbst Urheber seines abhängigen Werkes.

In der Praxis stellen sich einige Probleme ein. Im Einzelfall ist zu entscheiden, ob eine Bearbeitung, eine Coverversion oder eine Freie Benutzung vorliegt.

Zunächst muss festgestellt werden, ob das übernommene Material überhaupt schutzfähig ist. Wenn es nicht der Fall ist, ist entweder ein neues Werk oder ein ebenfalls ungeschütztes Klanggebilde entstanden. In beiden Fällen liegen keine urheberrechtlichen Schutzverletzungen vor.

Es kann auch die Bearbeitung eines Volksliedes vorliegen, bei dem die Schutzrechte erloschen sind. Im Normalfall sind schon geringste Ideen schutzfähig, selbst bei der kleinsten gerade noch annehmbaren Schöpfungshöhe gilt das Recht der „kleinen Münze“. 1985 wurde die Bearbeitung von gemeinfreien Werken eingeschränkt, um folkloristische Aufführungen wie Trachtenumzüge oder Sternensinger zu schützen. Wer ein Volkslied umgestaltet, muss daher schöpferisch mehr leisten als bei einem geschützten Werk. Es wird der zweite Beurteilungsmaßstab angesetzt.

Eine Bearbeitung eines geschützten Werkes liegt vor, wenn die Veränderungen des Originalwerkes so eingreifend sind, dass das Original zwar noch erkennbar ist, aber durchaus ein unabhängiges Werk mit eigener persönlichen Schöpfung entstanden ist. Fehlt die eigenständige Schöpfungshöhe, handelt es sich um keine Bearbeitung. Ist sie so hoch, dass das übernommene Werk dahinter verblasst, handelt es sich um eine Freie Benutzung. Das vorveröffentlichte Werk diente hier nur als Anregung. Berührungspunkte gibt es ebenfalls mit der Parodie und dem Musikzitat.

Das Bearbeitungsrecht liegt beim Urheber und bedarf seiner Zustimmung. Oft wird der Urheber von seinem Musikverlag vertreten, in der Regel sind Verlage Ansprechpartner bei Anfragen von Bearbeitungsrechten. Gegen eine unerlaubte Bearbeitung kann der Urheber rechtliche Schritte einleiten.

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Lassen Sie es im Zweifel checken. Meine Gutachten klären, ob eine Bearbeitung vorliegt. Als Sachverständiger analysiere ich die Schöpfungshöhen, prüfe Gemeinsamkeiten und Unterschiede. Am Ende bewerte ich für Sie die festgestellten Tatsachen nach geltender Rechtsprechung.
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